Blücherplatz | Mehringplatz

Sanierungsgebiete Rathausblock und Südliche Friedrichstadt

 


Umfassendes Verfahren: 
„Dem umfassenden Sanierungsverfahren [klassisches Sanierungsverfahren] liegt eine besondere, vom allgemeinen Städtebaurecht abweichende, bodenpolitische Konzeption zugrunde. Es ist für die Fälle gedacht, bei denen nach der städtebaulichen Situation und den Sanierungszielen der Gemeinde damit gerechnet werden muss, dass die Durchführung der Sanierung durch Bodenwertsteigerungen wesentlich erschwert werden könnte, die lediglich durch die Sanierung eintreten.
Das Baugesetzbuch geht davon aus, dass bei Vorliegen städtebaulicher Missstände, die durch Sanierungsmaßnahmen behoben werden sollen, die Anwendung des gesamten besonderen Sanierungsrechts grundsätzlich gerechtfertigt ist. Der Kernpunkt dieser Verfahrensart liegt darin, dass die Gemeinde Entschädigungs- und Ausgleichszahlungen sowie Kaufpreise auf den sanierungsunabhängigen Bodenwert beschränken und außerdem sanierungsbedingte Bodenwerterhöhungen zur Finanzierung der Sanierungsmaßnahme abschöpfen muss.“

Quelle: Wikipedia

siehe dazu auch: §§153 ff. Baugesetzbuch

 

 

Gutachten | Planungen | Wettbewerbe

 

Der Senat hatte bereits 2010 die Vorbereitenden Untersuchungen Mehringplatz | Blücherstraße in Auftrag gegeben, die schließlich das Sanierungsgebiet Südliche Friedrichstadt zur Folge hatten. Schlussbericht

Bis auf die anstehende Umgestaltung des Innenhofs Mehringplatz hat sich an der Situation nichts geändert.

Wir dokumentieren auf den folgenden zwei Karten einige der im Gutachten aufgezeigten Mängel.
[Die Bezeichnung Sanierungsgebiet Rathausblock wurde von uns hinzugefügt.]

 

 


Karten aus dem Schlussbericht 2010 der Planergemeinschaft Durbach|Kohlbrenner im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.
Quelle: Zentral- und Landesbibliothek Berlin

 

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen bietet online eine Übersicht der Stadtmodelle im Berliner Städtebau. Zur Einführung in die Thematik heisst es dazu auf der Website:

 „Am 27. Mai 1999 wurde das „Planwerk Innenstadt“ und in der Visualisierung das städtebauliche Leitbild vom Berliner Abgeordnetenhaus zur Kenntnis genommen. Damit bildet es die überbezirkliche Planungsgrundlage für die Entwicklung der Berliner Innenstadt. Erstmalig wurden ab 1996 hierfür in der Stadtplanung amtlich genaue und gebäudescharfe Arbeitspläne in digitaler Form auf der Basis der ALK-Berlin in CAD erstellt, die mit Informationen aus aktuellen Luftbildern und allen bekannten Bau- und Planungsprojekten abgeglichen und vervollständigt wurden.

Die CAD-Daten werden sukzessive in der Abteilung II [Städtebau und Projekte] um die neuen Planungsprojekte erweitert und bieten somit die bestmögliche Datenbasis für deren Beurteilung und Entwicklung. Sie stellen heute in ihrer flächenmäßigen und inhaltlichen Weiterentwicklung den aktuellen Planungsstand des „Planwerk Innere Stadt“ dar.

Hier die zu einer Karte zusammengefügten Planbereiche MO1 und MO2:

 

 

Die in den 60er Jahren nach Westen über das Friedhofsareal verschwenkte Blücherstraße soll zurückgebaut werden. Sie soll in ihrem Verlauf wieder auf die Hallesche-Tor-Brücke zuführen. Die Kreuzung Mehringdamm | Obentraut- und Blücherstraße bliebe in ihrer überdimensionierten, stadtzerschneidenden Gestalt bestehen. Die hellbeige-farbenen Flächen markieren Baufelder, die historische Blockkanten zitieren und den Stadtraum definieren.

 

Im Jahr 2014 berief die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ein städtebauliches und freiraumplanerisches Workshopverfahren für die Entwicklung des Bereichs Mehringplatz|Blücherplatz.

Der unten abgebildete Siegerentwurf thematisiert die Einfügung eines Neubaus für die Zentral- und Landesbibliothek [ZLB] sowie Ergänzungsbauten [rot] neben der Amerika-Gendenkbibliothek [blau] auf dem Blücherplatz. Ein Volksentscheid zur Freihaltung des Tempelhofer Feldes hat die Absicht des Berliner Senats gekippt, dort die neue ZLB zu errichten.

Die direkt gegenüber der ehmaligen Kaserne geplante  Bebauung verdeutlicht die Notwendigkeit, den gesamten Rathausblock städtebaulich zu integrieren und im Bauleitverfahren zu berücksichtigen. Die zusätzlichen Kubaturen betonen die übergroße, unwirtliche Kreuzung aus Mehringdamm, Blücher- und Obentrautstraße.

 

okra|vitteveen|bos
Masterplan aus dem städtebaulichen und freiraumplanerischen Workshopverfahren für die Entwicklung des Bereichs Mehringplatz|Blücherplatz im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Quelle: competition online
© okra

 

2016 wurde der vom Senat ausgeschriebene  landschaftsplanerische Ideen- und Realisierungswettbewerb abgeschlossen.

 

 

Die Umsetzung beginnt mit dem Ende der Abdichtungsarbeiten am U-Bahn-Tunnel der BVG. Es handelt sich dabei jedoch nur um eine Einzelmaßnahme für die Oberflächengestaltung – die tiefgreifende, umfassende Neuordnung und -gestaltung in einer Gesamtschau fehlt nach wie vor.

Ausserdem wird das Problem vernachlässigt, dass beinahe alle offenen Durchgangsbereiche unter der inneren Ringebauung zum Urinieren genutzt werden. Dies wirkt nicht nur wenig einladend, sondern abschreckend. Inwieweit der künftig neu gestaltete Innenraum dem entgegenwirken kann, bleibt abzuwarten.

Der innere Ringbau wurde zwar in die Planung einbezogen, durfte wegen des Denkmalstatus aber nicht verändert werden. So haben sich einige Planer*innen darauf beschränkt, die Durchgänge mit ‚Stadtmöblierung‘ auszustatten. Die drittplatzierten Atelier le Balto hatten in 5 Durchgängen eingeschobene Glaskuben für verschiednene Nutzungen vorgeschlagen. Versteckte Winkel bleiben aber bestehen, sobald die Kuben nicht genutzt werden.

Auf dem folgenden Foto ist das Dilemma gut zu erkennen. Es zeigt die Erdgeschosszone des inneren Ringbaus mit seinen T-förmigen Treppenhäusern und den dazwischenliegenden Stützen.

 

Entwurf des zweitplatzierten Büros Lützow 7
Quelle: Screenshot competition online
© Lützow 7

 

Das Gebäude bleibt auf seinen vielen Säulen stehen, nur die Treppenhäuser halten Kontakt zum Grund. Dieser architektonische Kunstgriff sollte einst den äußeren Ring mit dem Zentrum des Platzes verbinden, sorgt aber für den aktuellen Missstand der unzähligen dunklen und versteckten Winkel in den niedrigen Durchgängen. Um diese zu beseitigen, müsste der Denkmalschutz zumindest kreativ ausgelegt werden:

 


Denkbar wäre, das erste Geschoss zwischen der Treppenhäusern zu opfern und hohe [verdeckte] Träger unter das zweite Obergeschoss zu ziehen, die die gesamte Weite von Treppenhaus zu Treppenhaus überspannen. Dadurch entstünden höhere, stützenfreie Durchgänge, die eine größere Öffentlichkeit, mehr Sichtbarkeit und damit mehr Sicherheit herstellten. Owohl die Proportionen des betreffenden Baukörpers verändert würden, bliebe die städtebauliche Figur erhalten.

 


 

Upstall Kreuzberg e.V. möchte im Folgenden das Thema der überdimensionierten Kreuzung Mehringdamm | Blücher- und Obentrautstraße herausstellen. Die Planung stammt aus dem frühen 60er Jahren und atmet den Geist der autogerechten Stadt. Wie in dem Schlussbericht bereits festgestellt, muss die starke räumliche Trennwirkung abgebaut sowie eine Verbesserung von Gestalt und Aufenthaltsqualität  für Fußgänger und Radfahrer hergestellt werden.

Die Chance, synergetische Effekte aus dem Bestand der nebeneinanderliegenden Sanierungsgebiete Rathausblock und Südliche Friedrichstadt zu erzielen, ist einmalig.

Zur historischen Entwicklung:

 

 

Historie Mehringdamm | Blücherplatz | Mehringplatz

 

Animation 1935-1990

HistoMap Berlin [georeferenzierte historische Karten, einzelne Kartensegmente zusammengefügt und als GIF übereinandergelegt]
© Landesarchiv Berlin & Beuth Hochschule für Technik

 

Diese Animation zeigt die dramatische Veränderung über die Jahrzehnte, unter denen der Bezirk noch heute zu leiden hat. Die Kriegsschäden im südlichen Kreuzberg 61 waren nicht ganz so immens wie nördlich des Halleschen Tors. Die Folgen der Teilung der Stadt führten wegen der umfassenden Neuordnung der Strukturen zu einem drastischen Eingriff in die Stadtmorphologie rund um den Mehringplatz.

Das Dilemma der Stadtentwicklung im Nachkriegs-Berlin lässt sich gut ablesen. Konsequenzen aus der noch frischen, unrühmlichen Vergangenheit wurden als Status Quo gesetzt und historische Strukturen ausser Acht gelassen. Der stadtmorphologisch „Reine Tisch“ wurde als Chance gesehen, gesellschaftspolitische Visionen großräumig in Stein und Beton umzusetzen. Jahrzehnte später wird mit dem Sozialen Brennpunkt Mehringplatz im Sanierungsgebiet Südliche Friedrichstadt deutlich, dass Stadtplanung andere Wege beschreiten muss. 

 


Funktionsfähige Lebensräume lassen sich nicht durch die Verknüpfung soziokultureller Visionen mit einem ästhetisch-formalen Duktus architektonischer Formsprache planen. Bewohnende und Nutzende müssen Mitspracherecht erhalten, um eine lebendige Struktur zu generieren, die Anpassungsprozesse ermöglicht.

 


 

Das städtebauliche Ensemble aus Mehring- und Blücherplatz ist also nach wie vor in einem desolaten Zustand. Dabei steht der als Rondell angelegte Mehringplatz in einer Reihe mit anderen stadtgeschichtlich herausragenden Zwillingsplätzen vor und hinter Berliner Stadttoren: Platz des 18. März und Pariser Platz [Quarrée] sowie Potsdamer und Leipziger Platz [Octogon]. Die in der Stadt angelegten Plätze hatten wichtige Kontroll- und Verteilerfunktionen. An den ausserhalb vorgelagerten Plätzen kamen radial die Wege aus dem Umland zusammen.

 

Die historische Karte ist nicht genordet
Rondell  [1734-1815 | Belle-Alliance-Platz von 1815-1946 | Franz-Mehring-Platz von 1946-47 | Mehringplatz seit 1947 ]
In der rechten oberen Ecke ist der Schriftzug „Nachthütung“ zu erkennen, der den Upstall der Tempelhofer Bauern bezeichnet. Auf dem linken, Richtung Stadt liegenden Bereich wurde die Upstall- oder Dragonerkaserne errichtet.

 

Während die auf die Stadt zuführenden Wege sowohl beim Potsdamer Platz als auch vor dem Brandenburger Tor heute noch erhalten und sichtbar sind, wurden die Spuren bei Mehring- und Blücherplatz gründlich beseitigt. Das liegt vor allem daran, dass sie nicht direkt an der damaligen Ost-West-Demarkationslinie und damit abseits der Mauer lagen. Sie konnten Anfang der 60er Jahre ungehindert entwickelt und bebaut werden.

 

Wie auf den folgenden Entwurfsskizzen erkennbar, sollte eine neue, progressive Stadt aus den Ruinen des Belle-Alliance-Platzes [Mehringplatz] und des Blücherplatzes emporwachsen. Den Planern schwebte eine Art Gartenstadt vor, die Vision einer vom historischen Ballast befreiten, modernen Gesellschaft. Dieses Quartier sollte nicht von Verkehrsadern durchschnitten werden.

 

Entwurf von Walter Gropius
Quelle: Berlinische Galerie – Sammlung Online
© Berlinische Galerie

 

Entwurf: unbekannt
Quelle: Berlinische Galerie – Sammlung Online
© Berlinische Galerie

 

So lag es damals nahe, den im Krieg weitgehend zerstörten, westlich an den Blücherplatz anschließenden Block zu durchschneiden und den Mehringdamm nach Nordwesten zu verschwenken, um eine Verbindung zu Stresemann- und Wilhelmstraße herzustellen.

 

Foto von 1958, Blick von Nordosten, ehemaliges Kasernengelände mit Pfeil und Umrandung gekennzeichnet. Die Schneise für den neuen Verlauf des Mehringdamms deutet sich bereits an [grün gestrichelte Linie]. Der Neubau der Handwerkskammer [damals noch Gewerbeförderungsanstalt, pink] markiert den Eintrittspunkt des verschwenkten Mehringdamms in den ehemals geschlossenen Block. 
Quelle: Der Tagesspiegel ‚Kreuzberg im Wandel der Zeiten
© Imago

 

Die zum Blücherplatz führende Blücherstraße wurde gekappt und über den nördlichen Teil der Friedhöfe [im Foto oben noch intakt erkennbar] direkt zum neuen Mehringdamm geführt, um dort die heutige große Kreuzung zu bilden. Nördlich des Mehringplatzes sollte die neue Südtangente in Ost-West-Richtung verlaufen [im Entwurf von Walter Gropius erkennbar, siehe zwei Skizzen weiter oben].

 

Aus dieser Perspektive ist der alte, sehr schöne Bogenverlauf der damaligen Belle-Alliance-Straße Richtung Blücher- und Mehrinplatz  gut zu erkennen.

 

1900 | Kreuzung Yorck- und Gneisenaustraße mit der Belle-Alliance-Straße [Mehringdamm]. Auf der linken Seite mittig in ihrem Verlauf: die Dragonerkaserne. Rechts daneben, das kleine Haus an der Brandwand, markiert die Einmündung der damaligen Teltower Straße [Obentrautstraße]. Hier stand später – bis zur Kriegszerstörung – die alte Handwerkskammer.
© Landesarchiv Berlin

 

Der U-Bahnbau Richtung Fehrbelliner Platz [U7] wird parallel zur Verschwenkung des Mehringdamms vorangetrieben.

 

1964 | Blick auf das Rheinlandhaus von Heinrich Kosina. An dieser Stelle stand ursprünglich die Offizier-Speiseanstalt  [Historie Kasernengelände, 1909 und 1926]
© Landesarchiv Berlin

 

Die U-Bahn-Arbeiten sind abgeschlossen, das Rheinlandhaus abgerissen und die Verlegung des Mehringdamms zeichnet sich bereits durch den im Erdgeschoss geöffneten Nordost-Turm des Finanzamts und die Grenzsteine des Straßenpflasters an.

 

© Landesarchiv Berlin

 

Die zwei folgenden Bilder Zeigen den Einschnitt in den Block und die Bauarbeiten an der neuen Mehringdammbrücke über den Landwehrkanal.

1965 | Blick Richtung Mehringplatz [links, zerstört], Bahnhof Hallesches Tor [Mitte] und Blücherplatz [rechts, mit Heilig-Kreuz-Kirche] auf die Abfangungsarbeiten des U-Bahn-Viadukts und der Kanalbefestigung.
© Landesarchiv Berlin

 

1965 | Blick vom U-Bahn-Viadukt auf den durchschnittenen Block an Blücherplatz und Mehrindamm [Pfeil: die Lücke besteht bis heute]
© Landesarchiv Berlin

 

Für den Mehringplatz setzte sich der Entwurf von Scharoun und Düttman durch, der die runde Platzfigur wieder aufnahm. Und dennoch:

 


Der alte Mehrindamm wurde am Blücherplatz zur Sackgasse, die Sackgasse nach Norden zum Mehringplatz mit Pflanzbeeten verbarrikadiert, der Mehringplatz nach Süden zum Blücherplatz mit einem Brückenriegel abgeschnitten und die Hallesche-Tor-Brücke zu guter letzt mit Busparkplätzen verstellt. Der Mehringplatz ist bis heute ein sozialer Brennpunkt, die gewachsene Stadtmorphologie nachhaltig gestört.

 


 

Im Hintergrund die Karte von 1947, die den Status vor der Kriegszerstörung wiedergibt und gleichzeitig erhaltene Bauten dokumentiert [schraffierte Flächen auf den Liegenschaftsgrundrissen] – darüber Linien und Flächen der heutigen Verkehrsführung. Der dringende Bedarf an umfassender Raumentwicklung und Neuordnung lässt sich unschwer erkennen.
© Landesarchiv Berlin | Upstall Kreuzberg e.V.

 

 

Stadtreparatur | Überlegungen Upstall Kreuzberg e.V.

 

Wir haben in der folgenden Skizze Stadträume definiert und in einen gestalterisch-thematischen Zusammenhang gestellt. Wesentlich sind dabei folgende Punkte:

  • der Abriss und die Renaturierung der jetzigen westlichen Blücherstraße. Damit kann eine große, zusammenhängende Grünfläche mit den Friedhöfen gebildet werden. Mit der geplanten Ansiedlung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin [ZLB] bietet sich die Gelegenheit eines Park- und Bildungscampus.

  • die Reaktivierung der ehemaligen radialen Verkehrsachsen [eine Spur je Richtung plus eine Fahrradbahn je Richtung] inklusive  der Hallesches-Tor-Brücke. Die Verkehrsfläche des alten Mehringdamms und die Trasse der alten Blücherstraße sind noch vorhanden. In der Bilanz wird mehr Grün geschaffen als verloren geht, da die jetzige, zwischen der Amerika-Gedenkbibliothek und den Friedhöfen verlaufende Blücherstraße, vierspurig ist – plus zwei Spuren zum Parken.

  • der fußweg- und fahrradfreundliche Rückbau der Kreuzung Mehringdamm | Blücher- und Obentrautstraße. So wird eine bessere Anbindung an den neuen Campuspark [anstelle der jetzigen Blücherstraßen-Schneise] und an das Ensemble aus Blücher- und Mehringplatz gewährleistet.

  • Herausbildung von Baufeldern zur Schaffung neuer Wohn- und Arbeitsräume. Die Baufluchtlinien am Blücherplatz beziehen sich auf die Vorkriegsbebauung und betonen wieder die radiale Anlage. Die alten Torhäuser am Mehringplatz werden durch neue, kompakte Formen zitiert, die die begleitenden Grünflächen erhalten und schlusspunktartig die Rundbebauung ergänzen. Das Baufeld an der Nordwestecke des Rathausblocks bildet einen Schlusspunkt des Wachstums der Stadt um die alte Preussische Kaserne herum und schützt den neuen Kiez vor Verkehrslärm. Die alte Achse des Mehringdamms zum Blücherplatz wird hervorgehoben.

  • insgesamt wird der städtische Rhythmus aus dem Wechsel von Verdichtung und Öffnung, Straßenfluchten und Platzanlagen, Gebäuden und Grünflächen konturierter. Bebauungsdichte und die Verkehrsströme müssen city-typisch zunehmen, um eine konstante Durchströmung zu gewährleisten. Ruhige Erholungsflächen bleiben bestehen, sollen aber auch intensiver und spezifischer genutzt werden, um Leerräume zu verhindern, die ein Vakuum erzeugen.

 

Erläuterung zur Karte:

  • Vertikale Gärten: Der überproportionale Anteil an vesiegelten Flächen durch Erschliessungsstraßen, Parkplätze, Parkhäuser und Gehwege könnte durch grüngestaltete Fassaden, Balkone, Terrassen, Dächer und vertikale Wuchshilfen kompensiert werden. Auch in Hinsicht auf die den Platz umgebende Hochhausbebauung eine interessante Gestaltungsperspektive.
  • Campuspark: Bücher, Bildung, Wissen – Diskussionen, Vorträge und Seminare… in Kombination mit lebenserhaltendem Grün und einer Parkgestaltung.
  • Beete und Streuobst: Stichworte für eine kleinparzellige, heterogene Kiezstruktur, die sich an den Bedürfnissen der Bewohner*innen und Nutzer*innen orientiert und die gleichzeitig Anlässe zu gemeinschaftlichen Aktionen [Pflege und Ernte] bietet.
  • Theodor-Wolff-Park, Viktoriapark und Tempelhofer Feld reihen sich mit den oben genannten Grünquartieren an die Nord-Süd-Achse

 

In etwas kleinerem Maßstab [näher am Objekt] der Blick auf den Entwurf für einen Rückbau der Kreuzung aus Mehringdamm | Blücherstraße | Obentrautstraße.
zum Downloaden auch als PDF

 

 

Wir halten eine Reduzierung der Fahrstreifen für den motorisierten Individualverkehr auch für den Mehringdamm erforderlich, um Fuss- und Radwege zu fördern. Dazu passt die Veröffentlichung der aktuellen Umweltbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums vom 12.04.2017:

Die Menschen sind bereit, auf das Auto zu verzichten, aber sie brauchen gute Alternativen. Weniger Autos, ein leistungsfähiger und günstiger öffentlicher Nahverkehr, gute und sichere Fahrradwege – all das wünschen sich viele Menschen, weil es ihre Lebensqualität verbessert und die Umwelt schützt. Das ist eine starke und wichtige Botschaft sowohl für die Umweltpolitik als auch für die Stadtentwicklungspolitik. Sie wird uns Rückenwind geben in unserem Einsatz für die Stadt der kurzen Wege, für neue Radwege und nachhaltige Mobilität.

Zitat Bundesumweltministerin Barbara Hendricks

 

 

weitere Chronik

 

1988

Steven Holl Architects, Entwurf Renovierung und Erweiterung der Amerika Gedenkbibliothek [nicht realisiert]
© Steven Holl Architects

 

1975

Blick von Norden, ehemaliges Kasernengelände mit Pfeil und flächig gekennzeichnet

 

1940

Hallesches Thor und Belle-Alliance-Platz 1940, Blick von Südosten, daher ohne Dragonerareal

 

 

 

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